Berufsverband für Lerntherapeut*innen e.V.

Die Erarbeitung eines Berufsbilds ist eine wichtige Angelegenheit, weil es die normative Grundlage für die Arbeit der Berufsträger:innen ist. Das hier vorliegende „Berufsbild Lerntherapeut:in“ wurde vom Berufsverband für Lerntherapeut:innen e.V. (BLT) gemeinsam mit dem Fachverband für integrative Lerntherapie e.V. (FiL) erarbeitet, basiert auf Vorarbeiten des FiL und ist jetzt durch den BLT zu etablieren.

Ein Berufsbild zu etablieren erfordert Verträge mit Kostenträgern und einen einheitlichen, transparenten und verbandsunabhängigen Qualifikationsnachweis. Verhandlungen von Verträgen über lerntherapeutische Leistungen werden bundesweit vom BLT für alle Lerntherapeut:innen geführt. An der Einführung des notwendigen Qualifikationsnachweis arbeitet der BLT. Parallel zur Etablierung dient das Berufsbild der Konsensfindung mit den Verbänden der Lerntherapeut:innen und den Trägern lerntherapeutischer Ausbildungen. Daher unterliegt das Berufsbild einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess.

Im Ergebnis soll ein etabliertes und vertraglich gesichertes Berufsbild zu einer angemessenen Honorierung lerntherapeutischer Arbeit führen und einen wichtigen Beitrag leisten, um offene Fragen wie die Rentenversicherungspflicht für Lerntherapeut:innen oder die Befreiung von der Umsatzsteuer abschließend zu klären.

Das aktuelle Berufsbild Lerntherapeut:in

Präambel

Das Berufsbild Lerntherapeut:in ist das Ergebnis eines langen Entwicklungsprozesses. Es knüpft an Diskussionen mit dem FiL und BVL an und ist das Berufsbild für alle Lerntherapeut:innen mit ihren unterschiedlichen inhaltlichen Überzeugungen. Hier werden die normativen Grundlagen der fachlichen und berufsständischen Debatte der verschiedenen Verbände und Träger in der Ausbildung zum/zur Lerntherapeut:in festgeschrieben. Der Berufsverband positioniert sich im Hinblick auf disziplinär unterschiedliche Modelle ausdrücklich nicht, insbesondere macht er keine Aussage zu den (z. B. neurologisch-medizinischen, psychosozialen, didaktogenen) Erklärungsmodellen zur Entstehung der Therapiebedürftigkeit. Lerntherapeut:innen, die eine aktuelle Zertifizierung von BVL oder FiL haben, sind entsprechend der Kriterien des BLT zertifiziert und können auf dieser Grundlage dem Berufsverband für Lerntherapeut:innen (BLT) beitreten.

 

1 Aufgaben und Tätigkeiten

Lerntherapeut:innen führen Lerntherapien für Kinder, Jugendliche und Erwachsene[1] mit besonderen Lernbedürfnissen in Deutsch und/oder Mathematik durch. Dies beinhaltet grundlegende Defizite und Lernstörungen wie Lese-Rechtschreibstörungen und/oder Rechenstörungen sowie sonstige Beeinträchtigungen des Erlernens des Lesens, der Orthografie oder des mathematischen Schulstoffes. Hierzu gehören u.a. das Lernen beeinträchtigende Komorbilditäten und weitere Faktoren.

Dazu diagnostizieren, analysieren und bewerten sie zunächst die individuellen Lernstände und Konzepte. Gemeinsam mit allen Beteiligten erfassen sie die Ressourcen, den Lernbedarf, Ziele und Erwartungen, um daraus den individuellen Therapieplan abzuleiten.

Die Lerntherapeut:innen begleiten ihre Klient:innen dabei, die Schwierigkeiten beim Lesen, Schreiben und/oder Rechnen nach Möglichkeit zu überwinden. Der individuelle Therapieplan zeigt hierbei Möglichkeiten und Grenzen auf. Immer ist es das Ziel, dass die Betroffenen durch das Erlernen der Kulturtechniken des Lesens, Schreibens und Rechnens am schulischen und gesellschaftlichen Leben angstfrei und selbständig teilhaben können. Lerntherapeut:innen gestalten Lernmöglichkeiten und -angebote so, dass sich die Betroffenen ausprobieren, ihre Stärken entdecken, Kompetenzen entfalten und Lernschwierigkeiten überwinden können. Dazu vermitteln Lerntherapeut:innen Wissen, trainieren mit den Klient:innen neue Lernstrategien und ein erfolgreiches Lernverhalten; sie stellen die Stabilisierung der Persönlichkeit in den Mittelpunkt bzw. wissen, dass ohne Grundfertigkeiten im Lesen und Schreiben oder im Rechnen eine Stabilisierung nur schwer gelingen kann. Das soziale Umfeld (in der Regel Eltern und Lehrkräfte) wird in den Therapie- und Beratungsprozess mit einbezogen.

Die Anforderungsstruktur der Lerntherapie ist durch Komplexität und häufige Veränderungen gekennzeichnet. Qualifizierte Lerntherapeut:innen verfügen über therapeutische Handlungs- und fundierte Fachkompetenzen und didaktisches Fachwissen im Bereich Schriftspracherwerb und/oder Rechenerwerb und Lernpsychologie, sowie Beziehungs- und Beratungskompetenzen (Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit, Empathie, Aufgeschlossenheit). Das Eingehen auf die besondere Lern- und Lebenssituation von Menschen mit Teilleistungsstörungen erfordert ein hohes Maß an Belastbarkeit, Durchhaltevermögen, Geduld und Flexibilität. Lerntherapeut:innen verfügen über Kompetenzen zur Planung, Bearbeitung und Auswertung von umfassenden fachlichen Aufgaben sowie zur eigenverantwortlichen Steuerung von Prozessen.

1.1 Analyse und Diagnostik

Allein, lokal vernetzt oder in Verbindung mit anderen Fachkräften diagnostizieren und analy­sieren Lerntherapeut:innen die Erscheinungsformen der festgestellten Defizite und der sich daraus häufig ergebenden psychosomatischen Auffälligkeiten. Inwieweit Lernstörungen beim Klienten vorliegen, bedarf einer eingehenden Untersuchung. Daher werden zunächst Daten der Entwicklungsgeschichte und der aktuellen Lernsituation erhoben.

Lerntherapeut:innen führen für eine umfassende und differenzierte Therapieplanung sowohl quantitative als auch qualitative Kompetenzanalysen durch. Ressourcen und Lernbedarf werden ebenso ermittelt wie die Erwartungen und Ziele der Betroffenen und ggf. des sozialen Umfelds. Die Ergebnisse werden in einem Förderplan dokumentiert.

1.2 Lerntherapie

Ausgehend vom erarbeiteten individuellen Förderplan konzipieren Lerntherapeut:innen das Vorgehen und die Lernschritte systematisch und strukturiert. So eröffnen sie ihren Klient:innen neue Zugänge zu Lernstrategien sowie zur Schriftsprache und/oder Mathematik. Durch eine gezielte Gestaltung selbstwirksam erlebter Lernprozesse ermöglichen sie die Wahrnehmung von Erfolgen.

Lerntherapeut:innen verfügen über ein breites Repertoire an therapeutischen und fachdidak­tischen Methoden, Interventionen und Konzepten, die sie individuell angepasst einsetzen. Sie können zu jedem Zeitpunkt den Therapiestand einschätzen und das the­rapeutische Vorgehen fachlich begründen. Sie dokumentieren sowohl förderdiagnostische Beobach­tungen, Analysen und Kontrollen als auch den individuellen Entwicklungsprozess ihrer Klient:innen und leiten daraus entsprechende Maßnahmen ab. Sie setzen im Therapieprozess eine begleitende Diagnostik zur Erfassung des Entwicklungstandes des Klienten ein und evaluieren damit die eingesetzten Fördermethoden.

Aus lerntherapeutischer Sicht endet die Lerntherapie, wenn die gemeinsam im Therapieplan definierten und laufend fortgeschriebenen Ziele der Verbesserung der individuellen Leistungen, der psychischen Stabilisierung und der sozialen Integration und gesellschaftlichen Teilhabe erreicht sind.

1.3 Dokumentation und Administration

Lerntherapeut:innen dokumentieren neben den vertraulichen, therapierelevanten Informationen auch die vereinbarten und vertraglich geregelten Informationen über die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen für die Leistungsträger der örtlichen Jugendhilfe. Gegenüber Selbst-zahler:innen und anderen Kostenträgern erfolgt gleichsam eine angemessene und aus therapeutischer Kompetenz entwickelte Dokumentation der Therapie.

Freiberuflichen Lerntherapeut:innen obliegt zusätzlich die wirtschaftliche Unternehmensleitung mit allen Kalkulations-, Planungs-, Steuerungs- und Dispositionsaufgaben sowie der kaufmännischen Rechenschaftslegung. Dazu zählen auch sämtliche Praxisabläufe, ggf. Mitarbeiter:innen-Führung, Mitarbeiter:innen-Anleitung und Ausbildung von Lerntherapeut:innen. Unternehmensleitung in Form von Administration, Rechenschaftsführung, Datenschutz, Akquisition und Au­ßendarstellung fällt unabhängig von der Führung eines eigenständigen Betriebs und von der Anzahl der Mitarbeitenden an.

1.4 Arbeit mit dem Umfeld

Lerntherapeut:innen arbeiten in guter Vernetzung mit anderen an der lerntherapeutischen Förderung Beteiligten wie z. B. Lehrer:innen, Kinderärzt:innen, Kinder- und Jugendpsychiater:innen, Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeut:innen, Schulpsycholog:innen, Ergotherapeut:innen, Logopäd:innen, Erzieher:innen. Zur gelingenden Lerntherapie ist darüber hinaus die umfassende Einbindung des häuslichen und alltäglichen Umfelds unerlässlich.

Den Erziehungsberechtigten gegenüber besteht eine Auskunftsverpflichtung. In regelmäßigen Gesprächen werden mit ihnen Auftrag und Zielvereinbarungen reflektiert und angepasst. Eine Lerntherapie beinhaltet die regelmäßige Information und Beratung der an der Lernentwicklung des/der Klienten/:in beteiligten Personen. In der Regel sind dies die Eltern und die Lehrkräfte.

Neben der Information über Ergebnisse der Diagnostik, Ziele und Entwicklungen in der Therapie ist auch die Beratung der Eltern und des sozialen Umfelds für den Erfolg einer Lerntherapie von Bedeutung. Hierbei stehen die Vermittlung von Verständnis für die Lernstörung und die entwicklungsfördernde Unterstützung des/der Klienten/:in im Vordergrund, um die in der Lerntherapie erworbenen Fähigkeiten in den Alltag transferieren zu können. Bei Bedarf wird geprüft, ob weitere fördernde oder therapeutische Maßnahmen neben der Lerntherapie erforderlich sind.

 

2 Arbeitskontext

Lerntherapeut:innen arbeiten in den Bereichen der Therapie und der Prävention. Klient:innen sind sowohl Kinder und Jugendliche im Vorschul- und Schulalter als auch (junge) Erwachsene mit Lernschwierigkeiten. Lerntherapeut:innen werden je nach konkreter Situation und je nach Bedarf der Klient:innen in unterschiedlichen Settings tätig. Die Lerntherapie findet im Regelfall als Einzeltherapie, im Ausnahmefall auch als Zweier- oder Dreiertherapie statt.

Lerntherapie ist ein eigenständiges Angebot. Sie ergänzt weder Nachhilfe noch wird sie durch Nachhilfe ergänzt. Die Einbindung lerntherapeutischer Angebote in die schulische Organisa­tion macht sie nicht zu einem Bestandteil des schulischen Curriculums. Lerntherapeut:innen arbeiten als Freiberufler:innen in eigener oder fremder Praxis, als Angestellte in lerntherapeu­tischen Praxen oder in Schulen, Beratungsstellen, Kliniken bzw. Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe.

2.1 Durchführung der Lerntherapie

Die Lerntherapie findet im Regelfall in geeigneten Therapieräumen statt, die ausschließlich zur Lerntherapie und zu ergänzenden Zwecken genutzt werden. Diese Räume entsprechen den wesentlichen Anforderungen des Arbeitsschutzes, verfügen über eigene Sanitärräume und bei Bedarf über gesonderte Büro- und Besprechungsmöglichkeiten.

Im Regelfall findet die Lerntherapie in Präsenz in diesen Räumen statt. Bei Bedarf, Notwendigkeit oder zur Erleichterung einer regelmäßigen Therapie kann Lerntherapie auch in Remote oder außerhalb der Therapieräume stattfinden. In diesen Fällen gelten ansonsten dieselben Bedingungen.

Findet Lerntherapie in schuleigenen Räumen statt, so müssen diese störungsfrei sein und verlässlich zur Verfügung stehen. Dabei ist die gebotene Schweigepflicht eines lerntherapeutischen Settings sicherzustellen.

Lerntherapie wird im System der Bezugsbetreuung erbracht. Lerntherapeut:innen arbeiten in multiprofessionellen Teams oder tauschen sich in regionalen Netzwerken aus, um interdisziplinäre Arbeit und kollegiale Beratung sicherzustellen.

Lerntherapeut:innen arbeiten mit „insoweit erfahrenen Fachkräften Kinderschutz“ zusammen und treffen alle sinnvollen Vorkehrungen sowohl für Kinderschutz als auch für Teilhabe- und Beschwerdemöglichkeiten. Zu diesem Zwecke stellen Lerntherapeut:innen Möglichkeiten zur internen Beschwerde in persönlichen Angelegenheiten zur Verfügung, beteiligen sich an einem System zur externen Beschwerde in persönlichen Angelegenheiten und weisen Ihre Klient:innen sowie bei Bedarf deren Erziehungsberechtigte ausdrücklich auf diese Möglichkeiten und die beste­henden Ombudsstellen in der Kinder- und Jugendhilfe hin.

2.2 Gespräche mit dem Umfeld und dessen Beratung

Gespräche mit Eltern, Lehrkräften und anderen Beteiligten sind ein integraler Bestandteil der Lerntherapie. Sie sind regelmäßig und nach Bedarf durchzuführen. Dabei beraten Lerntherapeut:innen die Akteur:innen im Umfeld über deren Möglichkeiten zur Unterstützung des Therapieerfolgs.

Wird die Lerntherapie aufgrund einer Kostenübernahme durch einen öffentlichen Leistungs­träger erbracht, ist die enge Kooperation mit dem Leistungsträger eine wesentliche Erfolgs­grundlage. Daher sind Hilfeplankonferenzen und alle Formen der Abstimmung mit Leistungsträgern integraler Bestandteil der Lerntherapie. Lerntherapeut:innen sind in das Hilfeplanverfahren einzubeziehen; sie verpflichten sich, an Hilfeplangesprächen teilzunehmen und Entwicklungsberichte zu erstellen.

Der Austausch der Lerntherapeut:innen mit allen übrigen Beteiligten kann persönlich oder IP-gestützt (Telefon, Mail oder mit sonstigen Ende-zu-Ende-verschlüsselten, DSGVO-konformen Systemen) erfolgen. Im Einzelfall verständigen sich Lerntherapeut:innen mit ihren Gesprächspartner:innen über den zu wählenden Kommunikationsweg.

 

3 Leistungsentgelt

Die Leistung von Lerntherapeut:innen ist angemessen und ortsüblich durch ein Leistungsentgelt zu honorieren. Bei der Ermittlung des Leistungsentgelts kalkulieren Lerntherapeut:innen nach den Grundsätzen von Leistungsfähigkeit, Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit. Dabei gel­ten die betriebswirtschaftlich üblichen Verfahren.

Der Personalkostenanteil des Leistungsentgelts für die lerntherapeutische Tätigkeit kann in Analogie zum TVöD SuE (Entgeltgruppen E11 bis E 17) ermittelt werden. Dabei ist unbeschadet der beteiligten Individuen ein Mittelwert für die Personalkosten anzusetzen.

Für die Erbringung von Leistungen mit individuellem gesetzlichen Anspruch gemäß SGB VIII sind Rahmenvereinbarungen über die Leistung, die Qualitätsentwicklung und das Entgelt zu schließen. Ist in einem Jugendamtsbezirk nur ein/e diesem Berufsbild entsprechende/r, zertifi­zierte/r Lerntherapeut:in tätig, kann ersatzweise eine Einzelvereinbarung geschlossen werden. Rahmen- und Einzelvereinbarungen sollen die Festlegungen dieses Berufsbildes aufnehmen.

 

4 Zugänge zum Beruf

Für den Zugang zur lerntherapeutischen Arbeit werden durch dieses Berufsbild verbindliche Mindestanforderungen definiert. Die Anforderungsstruktur der Lerntherapie ist durch hohe Komplexität und häufige Veränderungen gekennzeichnet. Lerntherapeutische Arbeit erfordert einen hohen bis sehr hohen Grad an Selbstständigkeit und Flexibilität sowie ein detailliertes und spezialisiertes Fachwissen.

Ausbildung

Eine Qualifizierung zum/zur Lerntherapeuten/:in ist auf unterschiedlichen Wegen möglich und führt zum Erreichen der DQR-Niveaustufe 6 oder DQR-Niveaustufe 7. Lerntherapeut:innen erwerben ihre Qualifikation in Erfüllung der Punkte 1 und 3 oder der Punkte 2 und 3 der nachstehenden Liste:

  1. Eine Qualifizierung zur Lerntherapeut:in ist im Rahmen einer anerkannten Ausbildung möglich. Anerkannt sind Ausbildungen des Fachverbandes für integrative Lerntherapie e. V. (FiL), des Bundesverbandes Legasthenie und Dyskalkulie e. V. (BVL), des Verbundes dyskalkulietherapeutischer Facheinrichtungen (VDF) oder von ihnen zertifizierter Ausbildungsträger und anderer Einrichtungen, die Legasthenie- und Dyskalkulie-Therapeut:innen ausbilden mit einem Umfang entsprechend dem der vorgenannten Einrichtungen. Voraussetzung für den Zugang zur Ausbildung ist in der Regel ein in Deutschland anerkannter Ausbildungsabschluss auf der Niveaustufe 6 des Deutschen Qualifikationsrahmens (DQR in der jeweils aktuellen Fassung) in einer einschlägigen (z. B. therapeutischen, pädagogischen, medizinischen, psychologischen, natur-, geistes- oder sozialwissenschaftlichen) Disziplin.
  2. Alternativ zu einer Qualifizierung gemäß Punkt 1 dieser Aufzählung können Lerntherapeut:innen ihre Qualifikation durch den Abschluss eines lerntherapeutischen Stu­diums an einer europäischen Hochschule in Verbindung mit der Praxiserfahrung gemäß Punkt 3 nachweisen. Ein Abschluss ist auf der Niveaustufe 6 (Bachelor mit 180 ECTS/5.400 UE) oder auf der Niveaustufe 7 (Master mit 60 bzw. 120 ECTS/1.800 bzw. 3.600 UE) möglich.
  3. Ergänzt wird die Ausbildungskombination gemäß den Punkten 1 und 2 dieser Aufzählung durch Praxiserfahrung nach den Richtlinien des BLT. Diese Praxiserfahrung kann z. B. in anerkannten lerntherapeutischen Ausbildungspraxen oder in anderen lerntherapeutischen Settings in einem Team erworben werden. Eine praxisbegleitende Supervision ist dabei vorgeschrieben.

Damit verfügen qualifizierte Lerntherapeut:innen über eine fachwissenschaftlich fundierte und einschlägige Ausbildung in Theorie und Praxis. Sie wird durch ein akkreditiertes Zertifikat nachgewiesen, das im Jahr 2024 eingeführt wird.

Bis zum 31.12.2025 besteht für die bis dahin seit mehr als drei Jahren tätigen Lerntherapeut:innen die Möglichkeit auf Anerkennung und Zertifizierung der Gleichwertigkeit ihrer theoretischen und praktischen Kenntnisse (Übergangsregelung). Zertifizierungen des Fachverbandes für integrative Lerntherapie e. V. (FiL) und des Bundesverbandes Legasthenie und Dyskalkulie e. V. (BVL) werden anerkannt.

Die Zertifizierung erfolgt befristet für die Dauer von vier Jahren. Vor Fristablauf ist zu belegen, dass die persönliche Qualifikation gemäß den Mindestregeln des Zertifikats aufrechterhalten und weiterentwickelt wurde.

 

Berlin, den Jan 2024

 

Berufsverband für Lerntherapeut:innen – Vorstand

[1] Nachfolgend Klient:innen oder Betroffene